Mystik in freier Notwendigkeit

Zur neueren Malerei von Amir Reza Modabberi

Die Glückseligkeit ist nicht

der Lohn der Tugend,

sondern selbst Tugend.

(Spinoza)

Seine ursprünglich klassische Malerei, in der Amir Reza Modabberi sich vorwiegend mit einer mystisch empfundenen Natur auseinandersetzt, gewinnt seit etwa zwei Jahren deutlich modernere Züge. Viele Betrachter in unseren Breitengraden fühlen sich bei den Landschaftsbildern auf den ersten Blick an Caspar David Friedrich erinnert. Jedoch ist der aktuelle Farbauftrag eher dem Impressionismus und Expressionismus zuzuordnen. Auch ist die Inszenierung des Individuums in die Weite des Raumes und unter dem Firmament nicht Modabberis Sujet.

Vielmehr setzt er sich selbst rückhaltlos der Natur aus, um die metaphysische Energie der Schöpfung voll und ganz in sich aufzunehmen. Für manche Bilder bringt er sogar mehrere Tage unter freiem Himmel zu, bis ihn das Licht und die Farben umfangen, die er über Jahre hinweg und teilweise an exakt bestimmten Orten zu exakt bestimmten Jahreszeiten studiert hat. Erst in einem solchen hochempfindlichen meditativen Zustand nimmt er Pinsel und Farbe zur Hand, um seinen tiefen Empfindungen Ausdruck zu verleihen. In den Tiefen der Wälder, fernab jeder Zivilisation wie sie die westliche Welt kennt, im Blick auf die Weiten der Meere, erfährt er bis auf den Grund seiner Seele eine metaphysische Aufladung, die sich im beinahe tänzerischen Pinselschwung, Spachtelschwung abarbeitet, den unendlichen Reichtum der Farbnuancen auf die Leinwand zu bannen.

Denn es sind die Farben, die in seinen Augen die vielgestaltige Herrlichkeit der Schöpfung ausmachen und es ist das Licht, das immer anders vom Himmel herabsinkt, die eigentliche Stimme des Schöpfers, die an sein Ohr dringt. Derart ließen sich seine Eingebungen nach Art einer plotin‘schen Emanation auffassen. Jedoch hat seine malerische Präzision, die sich eben exakter Beobachtung der Naturvorgänge verdanken, auch etwas, das dem Philosophieren Spinozas ähnelt. Der Einfluß der orientalischen Erneuerer des Aristotelismus wie Ibn Sina (Avicenna) und Salomon ibn Gabirol (Avicebron) lieferte nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen für den Sufismus, der sich als mystische Gegenbewegung zum orthodoxen Islam überwiegend in Gedichten, Gesängen und Tänzen unter das Volk mischte. Vielmehr bereitete er auch das philosophische Vorfeld der Frührenaissance in Europa auf, als hier die Wissenschaft des Aristoteles schon längst vergessen war. Dies zeitigt bei Modabberi eine Ansehung der Natur in der Großartigkeit eines Giordano Bruno, welche sich bei dem stark auch mathematisch beeinflußten Spinoza in dessen pantheistisch fundierter Naturrechtslehre niederschlägt: das Paradoxon einer mechanisch-materialistischen Mystik voller Ananke der Stoa, allerdings als freier Notwendigkeit der Natur einerseits, von dem kein Geringerer als Goethe in seinem intimen Begriff von der Gott-Natur beeinflußt war, und andererseits die Tugend der Ataraxie, jener stoischen Unerschütterlichkeit aus Unabhängigkeit vom Weltlauf. Wobei das Leben im Einklang mit der Natur stoisch noch relativ unverbunden neben dem freien kosmopolitischen Menschen stand. Bei Spinoza wird beides zu einer zwingenden existenziellen Einheit mit Klarheit des Verstandes.

Eine Reihe scheinbar widersprüchlicher Momente der Philosophiegeschichte destillieren sich also in Modabberis Malerei aus dem über 40 Jahre hinweg betriebenen intensiven Studium aller Malstile, die die Welt kennt. Seine aktuelle Hinwendung zum Impressionismus und Expressionismus verdankt sich seinem frischen Streben, über seinen Ruhm im Iran hinaus in Kontakt zu treten mit den gegenwärtigen Sichtweisen des modernen Europas. Der Kunstgenuß hiesiger Breitengrade fühlt sich bei Modabberi ebenso beheimatet in gewohnten Ausdrucksformen der Moderne, wie er der Andersheit einer fremdartigen Mystik begegnet. Denn hier offenbart sich am Ende ein Naturverhältnis als unmittelbare Betroffenheit und als ein Geheimnis, das sich eben nicht im Jenseits oder in bloßer Innerlichkeit verbirgt, sondern   d a   ist – in der Welt, zu der Modabberi mit den Betrachtern seiner Werke selbst gehört.

 

 

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Waldsee in der Morgendämmerung

38cm x 38cm, Öl aufLeinwand (2024)

 

 

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Stille

38cm x 38cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

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Sonnenuntergang

38cm x 38cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

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Herbststille

38cm x 38cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

00186

türkiser Morgen

38cm x 38cm, Öl aufLeinwand (2024)

 

 

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freundlicher Winter

68cm x 43cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

00194

goldener Herbst

68cm x43cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

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Zärtlichkeit es Herbstes

38cm x 38cm, Öl aufLeinwand (2024)

 

 

00198

herbstliche Sumpfpracht

38cm x 38cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

00199

tiefster Winter

68cm x 43cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

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Aufbruch zu einer Reise

38cm x 46cm (2023)

 

 

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Zurückkehren

38cm x 38cm, l auf Leinwand (2023)

 

 

00446

Ende des Wachstums

87cm x 87cm, Öl auf Leinwand (2024)

 

 

00447

Die Freundlichkeit der Sonne

87cm x 87cm (2023)

 

 

00465

Sonnenuntergang über winterlicher Ebene

38cm x 46 cm

 

 

00448

Rushhour at Midnight

48cm x 38cm, Öl auf Leinwand (2023)

 

 

00503

Einsamkeit

87cm x87cm (2023)

 

 

00504

Sonnenuntergang über Feld

87cm x 87cm, Öl auf Leinwand (2023)